Das menschliche Mikrobiom beschreibt das komplexe Zusammenspiel von Mikroorganismen – darunter Bakterien, Viren und Pilze –, die auf und in unserem Körper leben.
Diese Mikroorganismen besiedeln insbesondere sieben Körperregionen: Magen, Nase, Mund, Lunge, Haut, Dickdarm und Geschlechtsorgane. In jeder dieser Regionen weist jeder Mensch eine individuelle Zusammensetzung mikrobieller Gemeinschaften auf 1. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die in einer bestimmten Umgebung vorkommen, wird als Mikrobiom bezeichnet.

 

Das vaginale Mikrobiom: „Gute“ gegen „schlechte“ Bakterien

Die wichtigsten Akteure im vaginalen Mikrobiom (auch Vaginalflora oder Scheidenflora genannt) sind Bakterien, wobei Lactobacillus-Arten eine vorherrschende Rolle spielen. Das Geschlechtshormon Östrogen fördert die Vermehrung dieser „guten“ Milchsäurebakterien. Durch die Produktion von Milchsäure tragen sie entscheidend zur Aufrechterhaltung eines sauren pH-Werts in der Scheide bei. Dieses saure Milieu hemmt das Wachstum der „bösen“ schädlichen Bakterien und Pilze und fungiert somit als natürlicher Schutzmechanismus.

Solange die „guten“ und die „bösen“ Bakterien im Gleichgewicht sind, bleibt die Scheidenflora stabil, das saure Milieu schützt vor Infektionen, und die Scheide bleibt gesund und widerstandsfähig gegenüber schädlichen Mikroorganismen.


 

Veränderungen im vaginalen Mikrobiom

Das Mikrobiom der Vagina kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden.

Hormonelle Schwankungen, wie sie während der Menstruation, Schwangerschaft oder durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel auftreten, spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Das Hormon Östrogen fördert die Vermehrung der schützenden Laktobazillen, die für ein saures Scheidenmilieu sorgen. Sinkt der Östrogenspiegel – etwa in den Wechseljahren oder nach der Entbindung kann dies zu einer Abnahme der Laktobazillen führen und das Gleichgewicht der Scheidenflora stören.

Auch Antibiotikabehandlungen wirken sich stark auf das Mikrobiom aus, da sie nicht nur krankmachende Keime, sondern auch die nützlichen Laktobazillen reduzieren können. Eine gestörte Scheidenflora kann dadurch anfälliger für Infektionen mit Pilzen oder schädlichen Bakterien werden.

Intimpflege und die Verwendung ungeeigneter Produkte spielen ebenfalls eine Rolle: Seifen und Duschgele mit hohem pH-Wert können das empfindliche Milieu stören, während milde Intimpflegeprodukte mit saurem pH-Wert das Gleichgewicht unterstützen.

Weitere Faktoren, die das vaginale Mikrobiom beeinflussen, sind unter anderem sexuelle Aktivität, da neue Keime oder mechanische Reize das Gleichgewicht der Scheidenflora stören können.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle: Ein hoher Zucker- oder Weißmehlanteil kann das Wachstum schädlicher Bakterien begünstigen, während eine ballaststoffreiche und probiotikareiche Ernährung die nützlichen Laktobazillen unterstützt.

Stress wirkt sich über hormonelle und immunologische Mechanismen auf das Mikrobiom aus und kann das Risiko für Infektionen erhöhen.

Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes verändern den Zuckerstoffwechsel und können die natürliche Abwehrkraft der Scheide schwächen, sodass sich pathogene Keime leichter vermehren.

 

Was passiert, wenn das Gleichgewicht der Scheidenflora gestört ist?

Wenn das Gleichgewicht zwischen den „guten“ Laktobazillen und den potenziell schädlichen Bakterien gestört ist, kann sich das vaginale Milieu verändern. Der pH-Wert steigt an, das saure Schutzmilieu der Scheide wird geschwächt, und schädliche Mikroorganismen können leichter wachsen. Eine solche vaginale Dysbiose kann verschiedene Beschwerden verursachen, darunter:

- Veränderter oder unangenehm riechender Ausfluss

- Juckreiz, Brennen oder Rötungen im Intimbereich

- Trockenheit oder Spannungsgefühle

- Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr

Langfristig kann ein dauerhaft gestörtes Mikrobiom das Risiko für Infektionen, wie bakterielle Vaginosen oder Pilzinfektionen, erhöhen. Zur Behandlung werden, je nach Art der beteiligten Keime, häufig Probiotika oder Medikamente wie Antibiotika oder Antimykotika eingesetzt.

 

Wie können wir ein gesundes Scheidenmilieu unterstützen?

Ein gesundes Scheidenmilieu lässt sich durch einige einfache Maßnahmen fördern.

Neben einer gesunden Lebensweise und einer Ernährung, die reich an Obst, Gemüse und fermentierten Lebensmitteln ist, spielt die angepasste Intimpflege eine zentrale Rolle. Wir empfehlen Produkte, die auf den pH-Wert der Vaginalflora abgestimmt sind, da herkömmliche Seifen und Duschgels mit ihrem höheren pH-Wert das empfindliche Mikrobiom stören können. Geeignete Intimpflegeprodukte sind häufig zusätzlich mit Probiotika und/oder Präbiotika angereichert, um die „guten“ Laktobazillen zu unterstützen.

Probiotika für eine gesunde Scheidenflora

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die bei Einnahme oder Anwendung eine positive Wirkung auf die Gesundheit entfalten. Im Intimbereich tragen speziell ausgewählte Laktobazillen dazu bei, das saure Milieu zu stabilisieren und das Wachstum schädlicher Keime zu hemmen.

Präbiotika - Nahrung für eine gesunde Vaginalflora

Präbiotika sind spezielle Ballaststoffe oder Substanzen, die das Wachstum und die Aktivität nützlicher Bakterien fördern. Sie dienen als "Nahrung" für die guten Laktobazillen im Intimbereich und regen so deren Vermehrung an. So wird der natürliche Schutz vor Infektionen gestärkt und Beschwerden wie Trockenheit, Juckreiz oder Reizungen können reduziert werden.

 

Weitere hilfreiche Maßnahmen sind das Tragen atmungsaktiver Unterwäsche und das Vermeiden von übermäßigem Stress.

 

So bleibt das saure Milieu der Vagina erhalten, wodurch die Schutzfunktion der Laktobazillen gesichert wird und Beschwerden wie Trockenheit, Juckreiz oder Infektionen effektiv vorgebeugt werden kann.

 

 

 

1 https://www.bayer.com/de/news-stories/dein-zweites-ich-10-faszinierende-einblicke-in-das-menschliche-mikrobiom

 

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinerinnen geprüft. Alle bereitgestellten Informationen und Inhalte sind für die allgemeine unverbindliche Unterstützung vorgesehen und enthalten weder Therapievorschläge noch Heilversprechen. Die Inhalte können das Gespräch zwischen Patient/in und Ärztin/Arzt unterstützen jedoch niemals einen Arztbesuch ersetzen.

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