Die Perimenopause bezeichnet die Übergangsphase zwischen der fruchtbaren Lebenszeit und der Menopause – also der letzten spontanen Menstruationsblutung. Sie beginnt meist zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr, kann jedoch auch früher einsetzen. Da die hormonellen Veränderungen schleichend verlaufen und individuell unterschiedlich sind, lässt sich der genaue Beginn häufig nicht eindeutig bestimmen.


Ein hormonelles Auf und Ab

Die Eierstöcke beginnen langsam, ihre hormonelle Aktivität zu verändern. Die Produktion von Östrogen und Progesteron wird unregelmäßiger. Gleichzeitig versucht die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), diesen Rückgang auszugleichen, indem sie mehr FSH und LH ausschüttet – jene Hormone, die die Eierstöcke stimulieren sollen.

Das Ergebnis ist kein gleichmäßiger Hormonabfall, sondern ein hormonelles Auf und Ab. Genau diese Schwankungen verursachen viele Beschwerden.

Und weil Östrogenrezeptoren praktisch überall im Körper sitzen, können die Symptome weit über klassische Hitzewallungen hinausgehen.

 

Bin ich schon in den Wechseljahren?

Viele Frauen glauben, sie könnten erst dann in den Wechseljahren sein, wenn die Periode ausbleibt. Tatsächlich beginnt die Perimenopause oft lange davor. Typisch sind Beschwerden wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, innere Unruhe, Konzentrationsprobleme oder Erschöpfung - obwohl die Blutung noch relativ regelmäßig kommt. Auch Gelenkschmerzen, Herzrasen oder neu auftretende Angstgefühle können erste Hinweise auf die hormonelle Umstellungsphase sein.

Ein Hormonstatus hilft hier oft wenig. Die Hormone in der Perimenopause schwanken stark. Ein Blutwert zeigt immer nur eine Momentaufnahme. Bereits am nächsten Tag können die Werte völlig anders aussehen. Deshalb ist die Diagnose vor allem eine klinische Diagnose – also eine Kombination aus Alter, Symptomen und Zyklusveränderungen.

 

Häufige Beschwerden in der Perimenopause

Etwa 70–80 % aller Frauen entwickeln in unterschiedlicher Ausprägung klimakterische Beschwerden. Besonders häufig sind:

Hitzewallungen und Nachtschweiß

Hitzewallungen gehören zu den typischsten Beschwerden in den Wechseljahren. Ursache ist eine veränderte Regulation der Körpertemperatur im Hypothalamus (zentrales Steuersystem). Durch die Schwankungen von Östrogen und Progesteron reagiert das thermoregulatorische Zentrum empfindlicher auf minimale Veränderungen der Körpertemperatur. Die Blutgefäße erweitern sich plötzlich, die Haut wird stärker durchblutet und rötet sich – ein intensives Wärmegefühl entsteht, häufig begleitet von Schweißausbrüchen, Herzklopfen oder innerer Unruhe. Nach dem Hitzeschub kann es auch zu Frösteln oder Schüttelfrost kommen.

Während einige Frauen nur gelegentlich einen Hitzeschub erleben, haben andere bis zu zwanzig Mal am Tag heftige Schweißausbrüche. Im Durchschnitt bestehen vasomotorische Beschwerden etwa 7,4 Jahre. Beginnen die Beschwerden bereits früh in der Prä- oder Perimenopause, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Symptome über einen längeren Zeitraum anhalten.

Schlafstörungen

Viele Frauen entwickeln Einschlaf- oder Durchschlafstörungen. Typisch sind nächtliches Erwachen und Schwierigkeiten wieder einzuschlafen, oberflächlicher Schlaf und morgendliche Erschöpfung. Nachtschweiß verstärkt diese Beschwerden zusätzlich. Auch innere Unruhe, Angstgefühle oder Stimmungsschwankungen tragen häufig zu einer Verschlechterung des Schlafes bei.

Chronischer Schlafmangel kann wiederum Konzentration, Leistungsfähigkeit, Stimmung und Stoffwechsel negativ beeinflussen und die allgemeine Belastung in den Wechseljahren verstärken.

Zyklusstörungen

Durch die nachlassende Funktion der Eierstöcke und die unregelmäßiger werdenden Eisprünge verändert sich die hormonelle Steuerung des Menstruationszyklus. Dadurch wird die Blutung oft unvorhersehbarer.

Typisch sind verkürzte oder verlängerte Zyklen, stärkere oder schwächere als die gewohnten Menstruationsblutungen, ausbleibende Blutungen oder Zwischenblutungen

Besonders in der frühen Perimenopause können die Zyklen noch relativ regelmäßig erscheinen, während die hormonellen Schwankungen bereits deutlich ausgeprägt sind. Im weiteren Verlauf nehmen Zyklusunregelmäßigkeiten meist zu, bis die Menstruation schließlich vollständig ausbleibt.

Stimmungsschwankungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme

Die hormonellen Veränderungen beeinflussen nicht nur den Zyklus, sondern auch verschiedene Botenstoffe und Regulationsmechanismen im Gehirn. Dadurch können sich Stimmung, Konzentrationsfähigkeit und geistige Leistungsfähigkeit vorübergehend verändern.

Typisch sind eine erhöhte Reizbarkeit, Nervosität oder innere Unruhe. Auch depressive Verstimmungen oder Angstgefühle können in dieser Lebensphase verstärkt auftreten. Zudem berichten viele Betroffene über Konzentrationsstörungen, verminderte Merkfähigkeit, verlangsamtes Denken oder sogenannte „Brain Fog“-Symptome.

Oft entsteht das Gefühl, weniger belastbar zu sein, schneller den Faden zu verlieren oder alltägliche Dinge häufiger zu vergessen. Schlafstörungen, Nachtschweiß und chronische Erschöpfung können diese Beschwerden zusätzlich verstärken.

Trockene Schleimhäute

Östrogene sorgen dafür, dass Schleimhäute feucht, elastisch und gut durchblutet bleiben. Mit sinkendem Östrogenspiegel nimmt diese Schutzfunktion zunehmend ab. Besonders betroffen ist die Vulva- und Vaginalschleimhaut. Viele Frauen leiden unter Scheidentrockenheit, welche Jucken, Brennen oder ein Spannungsgefühl sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursacht.

Auch andere Schleimhäute – etwa im Mund, der Nase oder den Augen – sind betroffen. Mundtrockenheit, gerötete Augen oder häufige Bindehautentzündungen können die Folge sein.

Harnwegsbeschwerden

Der sinkende Östrogenspiegel führt dazu, dass die Schleimhäute dünner und empfindlicher werden. Das Gewebe wird weniger durchblutet und verliert an Fülle. Dadurch können Beschwerden wie häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, wiederkehrende Harnwegsinfekte oder leichte Formen der Inkontinenz entstehen. Viele Betroffene bemerken außerdem einen vermehrten nächtlichen Harndrang oder das Gefühl, die Blase nicht mehr so zuverlässig kontrollieren zu können.



Weniger bekannte Symptome der Wechseljahre

Diese Symptome werden oft nicht sofort mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht, können aber ebenfalls hormonell bedingt sein:

Herzrasen / Herzstolpern

Östrogen wirkt schützend auf das Herz-Kreislauf-System, indem es die Gefäße elastisch hält, den Fettstoffwechsel beeinflusst und vor Gefäßablagerungen schützt. Sinkt der Östrogenspiegel, können die Gefäße an Elastizität verlieren und der Blutdruck ansteigen. Zusätzlich kommen in den Wechseljahren häufig weitere Faktoren wie Schlafstörungen, hormonelle Schwankungen und eine erhöhte Stressanfälligkeit hinzu. Diese Kombination führt mitunter dazu, dass Herzrasen oder Herzstolpern häufiger wahrgenommen wird.

Gelenk- und Muskelschmerzen

Treten besonders in der frühen Perimenopause häufig auf und werden oft nicht mit hormonellen Veränderungen in Verbindung gebracht. Typisch sind Morgensteifigkeit, Muskelverspannungen oder diffuse Schmerzen in Gelenken und Sehnen.
Einige Frauen leiden unter einer sogenannten „Frozen Shoulder“ (Schultersteife). Dabei kommt es zu starken Schmerzen und einer zunehmenden Bewegungseinschränkung (einem Einfrieren) der Schulter.

Depressive Verstimmungen

In der Menopause verdoppelt sich das Risiko für ein (Neu-) Auftreten von Antriebslosigkeit, Mutlosigkeit oder emotionale Erschöpfung.

Ohrgeräusche / Tinnitus

Auch das Innenohr besitz Östrogenrezeptoren. In einigen Fällen können Ohrgeräusche oder Tinnitus im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen auftreten. Sie gehören jedoch nicht zu den typischen Symptomen der Wechseljahre.

Veränderte Haut und Haare

Mit abnehmender Östrogenproduktion verliert die Haut an Feuchtigkeit, Elastizität und Spannkraft. Trockene Haut, Juckreiz, Rötungen oder Pigmentveränderungen treten häufiger auf. Gleichzeitig kann das Haar dünner werden, während durch den relativen Einfluss männlicher Hormone vermehrter Haarwuchs im Gesichtsbereich möglich ist.

Zahn- und Zahnfleischprobleme

Durch den sinkenden Östrogenspiegel kann die Durchblutung des Zahnfleisches abnehmen und die Schleimhäute werden trockener und empfindlicher. Häufig sind Zahnfleischbluten, Schwellungen, Brennen im Mund oder eine erhöhte Empfindlichkeit von Zähnen und Zahnfleisch.

Harnwegsbeschwerden

Die Schleimhäute von Blase, Harnröhre und Scheide werden dünner, trockener und empfindlicher, wodurch ihre natürliche Schutzfunktion abnimmt. Dadurch können häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, wiederkehrende Harnwegsinfekte oder leichte Formen der Inkontinenz entstehen. Viele Frauen bemerken außerdem, dass sie nachts häufiger zur Toilette müssen oder die Blase empfindlicher reagiert als früher.

Nachlassende Libido

Der Rückgang von Östrogen und Testosteron, können die sexuelle Lust und Erregbarkeit beeinflussen. Zusätzlich wirken sich Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schlafmangel oder psychische Belastungen häufig negativ auf die Sexualität aus.

Gewichtszunahme / Verlagerung des Körperfettes

Fett sammelt sich nun vermehrt im Bauchbereich statt – wie früher – an Hüfte und Gesäß. Gleichzeitig nimmt die Muskelmasse ab, was den Energieverbrauch des Körpers senkt. Dadurch steigt das Risiko für Gewichtszunahme sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Verdauungsprobleme

Hormonelle Veränderungen beeinflussen unter anderem die Darmbewegung und können die Verdauung verlangsamen. Zusätzlich spielen Stress, Schlafmangel und Veränderungen des Stoffwechsels eine wichtige Rolle. Mitunter treten Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall auf.

Allergien

Hormonelle Schwankungen beeinflussen auch das Immunsystem und können die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen erhöhen. Manche Frauen bemerken verstärkte Reaktionen auf Pollen, Nahrungsmittel oder Hautpflegeprodukte. Auch trockene und empfindliche Schleimhäute können allergische Beschwerden zusätzlich verstärken.

Brustspannen und Wassereinlagerungen

Östrogen begünstigt Wassereinlagerungen im Gewebe, während Progesteron diesem Effekt normalerweise entgegenwirkt. Gerät das hormonelle Gleichgewicht in den Wechseljahren aus dem Gleichgewicht, können vermehrte Wassereinlagerungen entstehen, die sich unter anderem durch Brustspannen oder schmerzhafte Brüste bemerkbar machen.

 

Fragenbogen zu Wechseljahresbeschwerden

Nicht alle Beschwerden in den Wechseljahren sind ausschließlich hormonell bedingt. Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen, Herzrasen oder Stimmungsschwankungen können auch durch andere Ursachen wie chronischen Stress, Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel oder andere körperliche und psychische Belastungen ausgelöst oder verstärkt werden.

Zur besseren Einschätzung der Beschwerden kann die sogenannte MRS – Menopause Rating Scale hilfreich sein. Dabei handelt es sich um einen international etablierten Fragebogen zur Erfassung typischer Wechseljahresbeschwerden. Die MRS bewertet unter anderem körperliche, psychische und urogenitale Symptome und hilft dabei, die individuelle Ausprägung der Beschwerden besser einzuordnen sowie Veränderungen im Verlauf sichtbar zu machen.

Die Menopause Rating Scale ersetzt keine ärztliche Diagnose, kann jedoch eine wertvolle Orientierungshilfe sein und die Grundlage für ein gezieltes Gespräch mit ihrer Ärztin/Arzt bilden.

Den Fragebogen finden Sie hier:

Menopause Rating Scale (MRS)


 

 

 

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinerinnen geprüft. Alle bereitgestellten Informationen und Inhalte sind für die allgemeine unverbindliche Unterstützung vorgesehen und enthalten weder Therapievorschläge noch Heilversprechen. Die Inhalte können das Gespräch zwischen Patient/in und Ärztin/Arzt unterstützen jedoch niemals einen Arztbesuch ersetzen.



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