Der Intimbereich gehört zu den sensibelsten Regionen des Körpers. Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, veränderter Ausfluss oder Schmerzen beim Wasserlassen sind nicht nur unangenehm, sondern auch oft mit Scham verbunden. Viele Frauen haben Angst, verurteilt zu werden oder als „unhygienisch“ zu gelten. Dabei sind Intimbeschwerden sehr verbreitet und haben meist nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.

Oft entstehen die Probleme durch zu intensive Pflege, den Gebrauch ungeeigneter Produkte oder durch Faktoren wie Stress, ein geschwächtes Immunsystem oder hormonelle Schwankungen während des Zyklus.

Fakt ist: Drei von vier Frauen erleben im Laufe ihres Lebens mindestens eine vaginale Pilzinfektion, und jede zweite Frau bekommt irgendwann eine Blasenentzündung. Deshalb ist es wichtig, die Symptome ernst zu nehmen und bei Bedarf ärztlichen Rat einzuholen.

 

1. Juckreiz und Brennen

Wenn es im Intimbereich juckt, brennt oder spannt, kann das viele Gründe haben – von harmlosen Irritationen bis hin zu behandlungsbedürftigen Infektionen.

 

Pilzinfektionen (Vaginale Candidose)

Pilzinfektionen gehören zu den häufigsten Ursachen für Juckreiz und Brennen im Intimbereich. In den meisten Fällen ist der Hefepilz Candida albicans verantwortlich.

Pilzinfektionen entstehen häufig, wenn das natürliche Gleichgewicht der Scheidenflora gestört ist. Normalerweise sorgt ein saures Milieu, das von Milchsäurebakterien aufrechterhalten wird, dafür, dass schädliche Keime keine Chance haben. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kann der Hefepilz sich stark vermehren.

Typische Auslöser einer Pilzinfektion sind

·         Antibiotikatherapie (sie reduzieren die schützenden Laktobazillen)

·         hormonelle Schwankungen wie Menstruation, Schwangerschaft oder Stillzeit

·         Geschwächtes Immunsystem, z. B. durch Stress oder Schlafmangel

·         Zu enge Kleidung oder synthetische Unterwäsche, die Wärme und Feuchtigkeit begünstigen

Symptome, die auf eine Pilzinfektion hindeuten können:

·         Starker Juckreiz, oft begleitet von Brennen

·         Weißlich-krümeliger, an Hüttenkäse erinnernder Ausfluss

·         Rötungen, Schwellungen oder ein gereiztes Hautgefühl

·         Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Wasserlassen

Pilzinfektionen sind nicht nur häufig – sie können auch wiederkehren. Studien zeigen, dass das Risiko für mehrfache, wiederkehrende Infektionen (rezidivierende VVC) mit dem Alter leicht ansteigt.


 

Bakterielle Infektionen

Bakterielle Vaginose

Die bakterielle Vaginose ist die weltweit häufigste vaginale Infektion. Bei 95 – 100% der Frauen mit bakterielle Vaginose sind Gardnerella spp. die prädominanten Bakterienarten.

Eine gesunde Scheide wird durch Laktobazillen geschützt – Milchsäurebakterien, die ein saures Milieu schaffen und verhindern, dass schädliche Keime überhandnehmen. Bei der bakteriellen Infektion kommt es zu einem starken Rückgang der Laktobazillen, wodurch der pH-Wert der Vagina über 4,5 ansteigt. Dadurch können sich anaerobe Bakterien stark vermehren. Es kommt so zu einem Ungleichgewicht und die Schutzfunktion vermindert sich. Dünnflüssiger, grauweißer und oft unangenehm riechender Ausfluss sind ebenso typische Begleiterscheinungen wie Brennen, Juckreiz oder leichte Rötung. Besonders nach dem Geschlechtsverkehr kann der fischige Geruch auffallen.

Die BV geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für entzündliche Erkrankungen im Beckenbereich sowie für die Übertragung sexuell übertragbarer Infektionen wie HIV oder HPV einher. Zudem kann sie die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt erhöhen.

Harnwegsinfektionen (Blasenentzündungen oder Cystitis)

Ausgelöst werden sie meist durch Bakterien, insbesondere Escherichia coli, die über die Harnröhre in die Blase gelangen.

Typische Anzeichen sind neben Brennen beim Wasserlassen auch ein häufiger Harndrang, oft nur geringe Urinmengen und ein unangenehmes Druck- oder Schmerzgefühl im Unterbauch. Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen bemerken oft, dass die Beschwerden plötzlich auftreten und schnell unerträglich werden.

Blasenentzündungen sind unangenehm, lassen sich aber in der Regel gut behandeln. Wichtig ist, ausreichend Flüssigkeit zu trinken und im Bedarfsfall ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Infektion gezielt zu bekämpfen.


 

Allergien und Kontaktreaktionen

Allergien im Intimbereich sind häufiger, als viele denken, und können starke Beschwerden wie Juckreiz oder Brennen verursachen. Die Haut in dieser Region ist besonders empfindlich, weshalb sie schnell auf reizende oder allergene Stoffe reagiert.

Oft entstehen die Beschwerden durch äußere Auslöser, die täglich oder regelmäßig mit der Haut in Kontakt kommen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Waschmittel, parfümierte Duschgels oder Intimsprays, die Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten. Auch Kondome können allergische Reaktionen auslösen – insbesondere dann, wenn sie aus Latex bestehen und eine Latexallergie vorliegt.

Typische Symptome einer allergischen Reaktion sind Rötungen, Juckreiz und ein brennendes Gefühl. In manchen Fällen bilden sich kleine Bläschen oder die Haut wirkt gereizt und leicht geschwollen. Die Beschwerden treten meist kurz nach dem Kontakt mit dem auslösenden Stoff auf und bessern sich, sobald dieser gemieden wird.

Allergische Reaktionen sind unangenehm, aber in der Regel gut behandelbar, wenn die Ursache identifiziert und konsequent vermieden wird.

Trockene Haut und hormonelle Veränderungen

Trockenheit im Intimbereich ist ein weit verbreitetes Problem, besonders nach der Geburt, während der Stillzeit, in den Wechseljahren oder bei hormoneller Verhütung. Sie entsteht vor allem durch einen Östrogenmangel, der die Scheidenschleimhaut dünner und empfindlicher macht.

Die Beschwerden äußern sich häufig durch Brennen, Juckreiz, Spannungsgefühle oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Auch die Scheidenflora kann in diesem Zustand leichter aus dem Gleichgewicht geraten, was Infektionen begünstigt.

Die Symptome von trockenen Schleimhäuten sind unangenehm, lassen sich aber durch hormonelle oder nicht-hormonelle Pflegemaßnahmen, ausreichend Flüssigkeit und sanfte Intimpflege lindern.



Andere Auslöser: Lichen, Psoriasis & Co.

Auch weniger verbreitete Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus, Lichen planus oder Psoriasis im Genitalbereich können ähnliche Beschwerden verursachen und werden daher zunächst oft mit Infektionen verwechselt. Diese chronischen Erkrankungen führen zu anhaltendem Juckreiz, schmerzhaften Rissen, weißlichen Hautveränderungen oder geröteten, schuppenden Arealen, die sich ohne passende Behandlung verschlimmern können. Da die Symptome unspezifisch sind, ist eine frühzeitige gynäkologische oder dermatologische Abklärung besonders wichtig. Unbehandelt können einige dieser Erkrankungen nicht nur starke Einschränkungen im Alltag und beim Geschlechtsverkehr verursachen, sondern auch das Risiko für Hautveränderungen oder Narben erhöhen. Mit der richtigen Therapie – meist einer Kombination aus medizinischen Cremes, Hautpflege und regelmäßiger Kontrolle – lassen sich die Beschwerden jedoch gut in den Griff bekommen.



 

2. Ungewöhnlicher Ausfluss

Veränderter Ausfluss ist ein wichtiges Warnsignal. Er kann Hinweise auf Infektionen oder Irritationen geben, ohne dass er etwas über Hygiene aussagt. Auch Stress, der Zyklus oder neue Pflegeprodukte können den Ausfluss beeinflussen.

  • Weißlich-krümelig: Häufig ein Hinweis auf eine Pilzinfektion. Der Ausfluss erinnert an Hüttenkäse, ist meist geruchlos und wird von starkem Juckreiz, Brennen, Rötungen und Schwellungen begleitet.

  • Dünnflüssiger, grau-weißer Ausfluss mit fischigem Geruch ist typisch für eine bakterielle Vaginose. Besonders intensiv riecht es nach dem Sex. Häufige Begleitsymptome sind Brennen und eine leichte Rötung, eher selten Juckreiz.

  • Gelblich-grün, schaumig: Kann auf sexuell übertragbare Infektionen wie Trichomonaden hindeuten. Charakteristisch ist die schaumige Struktur und der stark verfärbte, oftmals übelriechende Ausfluss, der begleitet wird von Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen, Rötung und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

 

3. Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr

Schmerzen beim Wasserlassen treten häufig bei Blasenentzündungen oder entzündeten Schleimhäuten auf, zum Beispiel durch Pilze oder bakterielle Infektionen. Auch Trockenheit, hormonelle Schwankungen oder sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien oder Gonorrhoe können zu Brennen oder Schmerzen führen.

 

4. Hautveränderungen im Intimbereich

Pickelchen, Rötungen oder Bläschen können harmlose Ursachen haben, z.B. eingewachsene Haare oder Reizungen durch Rasur.

Mögliche ernste Ursachen:

  • Herpes genitalis: schmerzhafte Bläschen, oft wiederkehrend (rezidivierend)
  • Dermatologische Erkrankungen: Lichen sclerosus, Ekzeme oder Psoriasis können ebenfalls Beschwerden im Genitalbereich hervorrufen
  • Allergien: Kontaktdermatitis durch Latex, Duftstoffe oder Pflegeprodukte
  • Vulvovaginale Atrophie: tritt postmenopausal durch Östrogenmangel auf; führt zu Trockenheit, Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Hormonelle Schwankungen: Schwangerschaft, Menstruation oder hormonelle Verhütung können die Schleimhaut und die Flora verändern
  • Mechanische Reizung: enge Kleidung, Sportunterwäsche, Reibung beim Sport oder Geschlechtsverkehr


 


Intimbeschwerden sind weit verbreitet und meist gut behandelbar, wenn man frühzeitig reagiert. Wichtig ist, den eigenen Körper ernst zu nehmen, auf Veränderungen zu achten und im Zweifel professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Jedenfalls ist ein Arztbesuch anzuraten, wenn die Beschwerden länger anhalten, die Symptome immer wiederkehren, bei ungewöhnlichem Ausfluss oder Blutungen, ebenso bei Schmerzen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr.

 

 

 

 

Quellen:

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

link.springer.com/article/10.1007/s00129-024-05317-8

journals.lww.com/jgid/fulltext/2025/07000/spectrum_and_prevalence_of_infections_detected_in.7.aspx

 

 

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinerinnen geprüft. Alle bereitgestellten Informationen und Inhalte sind für die allgemeine unverbindliche Unterstützung vorgesehen und enthalten weder Therapievorschläge noch Heilversprechen. Die Inhalte können das Gespräch zwischen Patient/in und Ärztin/Arzt unterstützen jedoch niemals einen Arztbesuch ersetzen.

 

 

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