Der pH-Wert einfach erklärt -
eine kleine Zahl mit großer Wirkung
Jede wässrige Lösung hat einen pH-Wert, der angibt, wie sauer oder basisch diese Lösung ist.
Je kleiner der pH-Wert, desto saurer ist die Lösung.
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0–7 = sauer
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7 = neutral (z. B. reines Wasser)
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7–14 = basisch (auch genannt alkalisch)
Unser Körper besteht zu einem großen Teil aus Wasser – deshalb spielen pH-Werte überall eine wichtige Rolle. Je nach Aufgabe unterscheiden sie sich deutlich:
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Magensaft ist sehr sauer (pH 1–3), um Keime abzutöten und Nahrung zu zersetzen.
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Die Haut hat einen leicht sauren pH-Wert von etwa 4,5–5,5 – das schützt vor Krankheitserregern.
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Blut ist leicht basisch mit einem pH-Wert von etwa 7,4.
Auch im Intimbereich ist der pH-Wert entscheidend für die Gesundheit.
Natürlich geschützt: Warum ein saurer vaginaler pH-Wert so wichtig ist
Ein gesunder vaginaler pH-Wert liegt normalerweise zwischen 3,8 und 4,5 – also im sauren Bereich.
Geschaffen wird das saure Milieu von Laktobazillen (Milchsäurebakterien). Sie produzieren Milchsäure und halten so das Gleichgewicht der Scheidenflora, auch „vaginales Mikrobiom“ genannt, stabil. Dieses saure Umfeld wirkt wie ein natürlicher Schutzschild: es hemmt die Vermehrung schädlicher Bakterien, Keime und Pilze.
Der pH-Wert gibt also Auskunft über den Gesundheitszustand der Scheidenflora: Ein ausgeglichener, saurer pH-Wert steht für eine intakte Schutzbarriere, während ein erhöhter Wert auf eine Störung des bakteriellen Gleichgewichts hinweist.
Liegt der pH-Wert über 4,5, kann dies das Wachstum von schädlichen Bakterien begünstigen. Ein erhöhter Wert verursacht nicht automatisch Beschwerden – er zeigt aber, dass das natürliche Gleichgewicht gestört sein könnte. Treten Beschwerden wie ungewöhnlicher Ausfluss, Juckreiz oder Schmerzen im Bereich der Vulva auf, könnte dies auf eine Infektion hindeuten.
Der pH-Wert verändert sich im Laufe des Lebens
Der vaginale pH-Wert ist keine feste Größe – er verändert sich mit dem Hormonhaushalt.
Vor der Pubertät liegt er vaginale pH-Wert bei 6,5 - 7 (nahe neutral). Erst mit Beginn der Pubertät und steigendem Östrogenspiegel vermehren sich Laktobazillen und bilden eine schützende saure Barriere.
Während der fruchtbaren Jahre liegt der Normalwert zwischen 3,8 – 4,5. Er kann jedoch schwanken, beeinflusst von z. B. der Einnahme von Antibiotika oder hormonellen Verhütungsmitteln. Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus verändern den vaginalen pH-Wert ebenso wie Menstruationsblut oder Sperma in der Vagina (Beides hat einen pH-Wert von mehr als 7 und kann den pH-Wert vorübergehend erhöhen.)
In der Schwangerschaft verändert sich der vaginale pH-Wert aufgrund der hormonellen Umstellungen deutlich. Die gesteigerte Hormonproduktion fördert die Vermehrung der Laktobazillen. Gleichzeitig wird das Wachstum von Candida albicans begünstigt, weshalb schwangere Frauen anfälliger für Pilzinfektionen sind. Nach der Geburt fällt der Östrogenspiegel innerhalb von ein bis zwei Tagen rapide ab. Die Folge: Der Vaginalbereich wird weniger sauer und dadurch anfälliger für bakterielle Infektionen. Zudem berichten viele Frauen nach der Entbindung über Juckreiz, Trockenheit und Spannungsgefühlen im Intimbereich.
Mit dem Eintritt in die Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel und mit ihm die Anzahl an Laktobazillen. Der pH-Wert steigt nun auf Werte von 5 bis 7 an. Das ehemals saure Milieu wird fast neutral, mögliche Krankheitserreger können sich leichter ansiedeln und vermehren, wodurch es häufiger zu vaginalen Infektionen kommen kann. Die Verringerung des Östrogenspiegels bewirkt zudem eine Abnahme der Dicke und Feuchtigkeit der Vaginalschleimhaut sowie der Vulvahaut. Dies führt mitunter zu Beschwerden wie Trockenheit, Juckreiz und Brennen.
Selbst testen: Wie wird der vaginale pH-Wert gemessen?
Der pH-Wert der Vagina lässt sich ganz einfach zu Hause bestimmen – ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Dafür gibt es spezielle pH-Teststreifen, die in Drogerien oder Apotheken erhältlich sind. Ein gesunder vaginaler pH-Wert liegt in der Regel zwischen 3,8 und 4,5. Werte darüber können auf eine bakterielle Vaginose, hormonelle Veränderungen oder eine gestörte Scheidenflora hinweisen.
Wichtig ist, den Test nicht während der Periode oder direkt nach dem Geschlechtsverkehr durchzuführen, da Blut, Sperma oder Gleitmittel das Ergebnis verfälschen können.
So bleibt der pH-Wert im Gleichgewicht
Um den pH-Wert der Vulva als auch Vagina zu unterstützen und zu stabilisieren, sollten einige einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen beachtet werden:
Sanfte Pflegeprodukte: Verwenden Sie Produkte, die speziell für den Intimbereich entwickelt wurden und an den pH-Wert der Scheide angepasst sind. Herkömmliche Seifen und Duschgels haben einen pH-Wert von 7-9. Sie können das empfindliche Mikrobiom zerstören und die Vaginalflora in Dysbalance bringen. Diese alkalischen Produkte sind nicht für das saure Umfeld im Intimbereich geeignet.
Vermeidung von übermäßiger Hygiene: Der Intimbereich sollte nicht übermäßig gewaschen werden, da dies das natürliche Schutzschild der Vagina zerstören kann.
Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Ballaststoffen und arm an Zucker ist, kann helfen, das Gleichgewicht der vaginalen Flora zu unterstützen. Trinken Sie zudem ausreichend Wasser.
Schutz vor Infektionen: Tragen Sie Baumwollunterwäsche, die die Haut atmen lässt, und vermeiden Sie enge Kleidung, die den Intimbereich reizt. Vermeiden Sie auch das Tragen von nasser Kleidung oder Badebekleidung für längere Zeit, um die Gefahr von Pilzinfektionen zu verringern.
Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen: Wenn es zu ungewöhnlichen Symptomen wie Juckreiz, Brennen, unangenehmem Geruch oder verändertem Ausfluss kommt, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden, um den pH-Wert und die Gesundheit des Intimbereichs zu überprüfen.
Fazit: Der pH-Wert als Schlüssel zur Intimgesundheit
Der vaginale pH-Wert ist ein wichtiger Indikator für die Gesundheit der Scheidenflora.
Ein saures Milieu schützt – und dieses Gleichgewicht verdient achtsame Pflege.
Mit sanfter Hygiene, passenden Produkten und einem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper können Sie viel für Ihre Intimgesundheit tun.
Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinerinnen geprüft. Alle bereitgestellten Informationen und Inhalte sind für die allgemeine unverbindliche Unterstützung vorgesehen und enthalten weder Therapievorschläge noch Heilversprechen. Die Inhalte können das Gespräch zwischen Patient/in und Ärztin/Arzt unterstützen jedoch niemals einen Arztbesuch ersetzen.